Es gibt dieses Sprichwort:
"Ein Bankraub ist etwas für Dilletanten, Profis gründen eine Bank."
Natürlich impleziert dieser Spruch damit, daß die Gründung einer Bank nichts anderes ist, als ein legaler "Raub". Die Opfer sind dann eben die Kunden.
Wenn man sich die aktuelle Situation anschaut, so ist da sicherlich etwas dran.
Nicht nur, daß Banken in guten Zeiten Milliarden verdient haben und davon nur eine geringe anzahl an sogenannten Führungskräften partizipiert hat, nein - kaum werden die Zeiten rauher,
lassen sich große Banken mit riesen Summen unter die Arme greifen.
Systemrelevant, das könnte das Unwort 2009 werden.
Aber wie Systemrelevant sind Banken eigentlich, wenn Sie derart asozial agieren?
Asozial, das Gegenteil von sozial.
Ist unser System asozial?
Sind Menschen asozial?
Ich persönlich glaube nicht von Natur aus daran, daß Menschen asozial sind.
Wir sind eine komplexe Spezie und unser Trieb "immer schneller, höher, weiter und erfolgreicher" zu sein, hat uns zu dem aktuellen Punkt entwickelt an dem wir stehen.
So weit so gut, oder eben nicht so gut. Denn in dieser globalen Welt haben wir vergessen -
was die Basis unseres sozialen Lebens bildet. Es ist das "Mit-Einander" und "Von-Einander".
Der globaliserte Gutmensch berichtet gerne davon, daß die Quelle allen Übels ist, daß jeder nur noch an sich denkt. Sicher, es mag so sein, aber ich denke es ist nicht die Quelle des Übels.
Ein Mensch muss primär an sich denken. Altruismus bringt weder persönlichen Wohlstand noch wirtschaftlichen Fortschritt und diesen will ich nicht per se schlecht reden.
Doch es muss die Frage gestellt werden, wie?
Wie kann man gegenseitig davon partizipieren, daß man sozial handelt?
Leistung muss sich lohnen.
Leistung muss belohnt werden.
Leistung muss sinnvoll sein.
Leistung muss sozial verteilt von einzelnen und der Gemeinschaft erbracht werden.
Leistung darf nicht als Selbstzweck angesehen werden.
Unsere aktuelle Gesellschaft hat vor langer Zeit Geld als allgemeingültiges Tauschmittel etabliert.
Und damit Geld im Kreislauf zirkuliert, mussten Anreize gefunden werden.
Einer der Anreize war der Zins.
Nun, ich bin heute noch immer der Meinung, eine Welt ohne Zinsen und Zinseszinsen wäre, sozialer, ruhiger, friedlicher und erfolgreicher - aber, man kann nicht die Welt von heute auf morgen verändern.
Fangen wir kleiner an.
Fangen wir bei einer eigenen Bank an.
Und da kam sie mir, die Idee der "Fair-Trade-Bank".
Die Idee basiert darauf, das die Kunden dieser Bank selbst regulieren können, wieviel Zins ihr erspartes erwirtschaftet. Denn die Bank gewährt dem Kunden auf sein Sparguthaben einen Zins der in direkter Abhängigkeit dazu steht, wieviel Geld er spart (je mehr er von seinem Einkommen spart, desto kleiner wird der Zins) und wie groß der Anteil seiner Ausgaben ist, die er bei "Fair-Trade-Partner" oder für "Fair-Trade-Produkte" ausgegeben hat.
Was sind "Fair-Trade-Partner"?
Ein "Fair-Trade-Partner" akzeptiert erstmal grundsätzlich die bargeldlose Zahlungsweise (das erleichtert die Kontrolle und vermindert die Fehlerquoten, Verluste und Aufwände).
Desweiteren ist ein Fair-Trade-Partner immer ein Unternehmen, daß in der gleichen Region angesiedelt ist, wie der Käufer. Ebenso können nur Unternehmen bis zu einer (zu definierenden) Gesamtgröße "FTP" werden. Auch Regularien wie die Erfüllung von Quoten im Bereich Ausbildungsplätze, das nicht einstellen von Zeitarbeitern, die Rate der personellen Fluktuation, die Erfüllung regionaler Steuerpflichten, die Verwendung von umweltfreundlichen Produktionsmethoden, die Einhaltung nachhaltiger biologischer Bewirtschaftung ect wird im jeweiligen Fall zu einem Kriterium ob ein Unternehmen, Produzent, Händler zu einem FTP werden kann.
Das ganze funktioniert in groben Zügen so:
Der Kunde eröffnet ein Girokonto bei der Fair-Trade-Bank, dieses ist immer ein Guthabenskonto. Der Sinn der Bank ist, per Statut, das Menschen mit dem Geld auskommen, daß Sie erwirtschaften. Das Konto ist daher immer ein Guthabenskonto.
Zu diesem gibt es zusätzlich ein "Fair-Spar-Konto".
Gemeinsam mit dem Bank Berater legt der Kunde eine Spar-Quote fest.
Bsp.:
Einkommen 1.600,- € netto = (Bundesschnitt)
Spar-Quote,: 100€ per Monat.
D.h.: Der Kunde gibt per Monat 1.500,-- € aus.
Die 100€ gehen sofort auf das Sparkonto.
(Bis jetzt nichts Bahnbrechend neues :))
Nun wird am Monatsende geprüft, wieviel der 1.500,-- € Ausgaben sind an
Fair-Trade-Partner gegangen?
In Abhängigkeit dieser Quote erhält der Kunde den Zins auf sein angespartes Guthaben.
Das Ziel soll sein:
Der Kunde gibt soviel Geld wie möglich bei Fair-Trade-Partner aus, also bei Unternehmen aus seiner Region, die gewisse ethnische, soziale und ökologische Regeln beachten und der Kunde wird animiert, zu sparen.
Woher kommt der Zins, den die Bank an den Kunden auszahlt?
Von den Fair-Trade-Partner.
Diese zahlen wiederum einen Prozentsatz Ihres Umsatzes, der durch Kunden der Fair-Trade-Bank generiert wurde, an die Fair-Trade-Bank.
Ich habe mit unterschiedlichen Kundenbsp und Quoten dieses ganze Szenario durchgespielt und natürlich müssen gewisse Regularien und Unter- bzw. Obergrenzen geschaffen werden, aber innerhalb dieser, wäre das ein funktionierende System.
Kredite?
Ganz ohne Kredite kann es nicht gehen. Zumindestens nicht am Anfang.
Also kann der Kunde einen Kredit aufnehmen.
Aber auch hierfür werden besondere Regularien aufgestellt.
Eine ist zum Bsp. der "Faire-Kredit-Zins", denn dieser bewegt sich auf dem Niveau,
des zuvor vom Kunden erwirtschaften Guthaben-Zinses.
Systematisch funktioniert ein Kredit dann als ein weiteres Konto, auf das
mindestens die Hälfte der bisherigen Sparquote eingehen muss.
Der Kunde kann dann selbst definieren, wie hoch die Zins-Quote für sein Darlehen ist, da
sie sich in Abhängigkeit zu seinem Guthabens-Zins befindet.
Kredite dürfen desweiteren nur für Ausgaben und Anschaffungen bei Fair-Trade-Partner verwendet werden.
So?
Das Konzept kann funktionieren.
Es liegt an uns.