Donnerstag, 23. Juli 2009

50 Millionen, das klingt nur fair.

Da geht er nun also, der Verlierer im Topduell zwischen Wolfsburg und Stuttgart.
Wendelin Wiedeking, ein Macher, ein Top-Manager, einer der alles erreicht hat,
nur am Ziel ist er nicht angekommen.

Er hat den großen Traum gelebt.
Er wollte den kleinen David so erfolgreiche werden lassen,
daß David Goliath schlucken kann.

Nun steht er als persönlicher Verlierer da.

Aber wie man auch als Verlierer noch siegen kann,
daß zeigt er nun.

50 Millionen Abfindung hat er heraus gehandelt.

50 Millionen Euro.

Das sollte man sich auf der Zunge zergehen lassen.

Ja er war lange Zeit ein erfolgreicher Macher und Entscheider -
einer zu dem die ganze Branche aufgeschaut hat.
Aber war er am Schluss nicht doch auch Opfer seiner eigenen Gier?
Steht er nicht in einer Reihe mit solchen Größen wie Zumwinkel?

Ist es nicht am Schluss die Gier - die die ganz Großen des Spiels zu Fall bringt?


Aber eines kann man von diesem Mann noch lernen:
Selbst am Tag seiner Niederlage schafft er es, sich als Gewinner
zu verkaufen.
Das ist aller Ehren wert.

Wie er das macht?
Er verzichtet gönnerhaft auf 50% seiner Abfindung, denn 25 Millionen gehen in Stiftungen
die noch zu gründen oder bereits existent sind.
Und um auf Nummer sicher zu gehen, daß die Presse das richtig verkauft, investiert er noch 1,5 Millionen in Stiftungen die zur Hilfe notleidenter Journalisten gegründet wurden.
Klar, auch Journalisten sind nur Menschen und jeder hat seinen Preis.

Und als ersten Erfolg darf er für sich verbuchen, daß die Presse seine komplette Erklärung mit dem wichtigen Detail endet, daß er ja in Deutschland Steuerpflichtig ist und die Hälfte seiner Einkünfte an den Staat gehen.


Glückwunsch.

Verloren,
mit "nur 12,5 Millionen" abgespeist und das
ganze als Sieg verkauft.


Wiedeking ist eben ein Macher!

Sonntag, 19. Juli 2009

Wir gründen eine Bank.

Es gibt dieses Sprichwort:

"Ein Bankraub ist etwas für Dilletanten, Profis gründen eine Bank."

Natürlich impleziert dieser Spruch damit, daß die Gründung einer Bank nichts anderes ist, als ein legaler "Raub". Die Opfer sind dann eben die Kunden.

Wenn man sich die aktuelle Situation anschaut, so ist da sicherlich etwas dran.
Nicht nur, daß Banken in guten Zeiten Milliarden verdient haben und davon nur eine geringe anzahl an sogenannten Führungskräften partizipiert hat, nein - kaum werden die Zeiten rauher,
lassen sich große Banken mit riesen Summen unter die Arme greifen.

Systemrelevant, das könnte das Unwort 2009 werden.

Aber wie Systemrelevant sind Banken eigentlich, wenn Sie derart asozial agieren?
Asozial, das Gegenteil von sozial.
Ist unser System asozial?
Sind Menschen asozial?

Ich persönlich glaube nicht von Natur aus daran, daß Menschen asozial sind.
Wir sind eine komplexe Spezie und unser Trieb "immer schneller, höher, weiter und erfolgreicher" zu sein, hat uns zu dem aktuellen Punkt entwickelt an dem wir stehen.

So weit so gut, oder eben nicht so gut. Denn in dieser globalen Welt haben wir vergessen -
was die Basis unseres sozialen Lebens bildet. Es ist das "Mit-Einander" und "Von-Einander".

Der globaliserte Gutmensch berichtet gerne davon, daß die Quelle allen Übels ist, daß jeder nur noch an sich denkt. Sicher, es mag so sein, aber ich denke es ist nicht die Quelle des Übels.
Ein Mensch muss primär an sich denken. Altruismus bringt weder persönlichen Wohlstand noch wirtschaftlichen Fortschritt und diesen will ich nicht per se schlecht reden.

Doch es muss die Frage gestellt werden, wie?
Wie kann man gegenseitig davon partizipieren, daß man sozial handelt?

Leistung muss sich lohnen.
Leistung muss belohnt werden.
Leistung muss sinnvoll sein.
Leistung muss sozial verteilt von einzelnen und der Gemeinschaft erbracht werden.
Leistung darf nicht als Selbstzweck angesehen werden.

Unsere aktuelle Gesellschaft hat vor langer Zeit Geld als allgemeingültiges Tauschmittel etabliert.
Und damit Geld im Kreislauf zirkuliert, mussten Anreize gefunden werden.
Einer der Anreize war der Zins.

Nun, ich bin heute noch immer der Meinung, eine Welt ohne Zinsen und Zinseszinsen wäre, sozialer, ruhiger, friedlicher und erfolgreicher - aber, man kann nicht die Welt von heute auf morgen verändern.

Fangen wir kleiner an.

Fangen wir bei einer eigenen Bank an.

Und da kam sie mir, die Idee der "Fair-Trade-Bank".

Die Idee basiert darauf, das die Kunden dieser Bank selbst regulieren können, wieviel Zins ihr erspartes erwirtschaftet. Denn die Bank gewährt dem Kunden auf sein Sparguthaben einen Zins der in direkter Abhängigkeit dazu steht, wieviel Geld er spart (je mehr er von seinem Einkommen spart, desto kleiner wird der Zins) und wie groß der Anteil seiner Ausgaben ist, die er bei "Fair-Trade-Partner" oder für "Fair-Trade-Produkte" ausgegeben hat.

Was sind "Fair-Trade-Partner"?
Ein "Fair-Trade-Partner" akzeptiert erstmal grundsätzlich die bargeldlose Zahlungsweise (das erleichtert die Kontrolle und vermindert die Fehlerquoten, Verluste und Aufwände).
Desweiteren ist ein Fair-Trade-Partner immer ein Unternehmen, daß in der gleichen Region angesiedelt ist, wie der Käufer. Ebenso können nur Unternehmen bis zu einer (zu definierenden) Gesamtgröße "FTP" werden. Auch Regularien wie die Erfüllung von Quoten im Bereich Ausbildungsplätze, das nicht einstellen von Zeitarbeitern, die Rate der personellen Fluktuation, die Erfüllung regionaler Steuerpflichten, die Verwendung von umweltfreundlichen Produktionsmethoden, die Einhaltung nachhaltiger biologischer Bewirtschaftung ect wird im jeweiligen Fall zu einem Kriterium ob ein Unternehmen, Produzent, Händler zu einem FTP werden kann.

Das ganze funktioniert in groben Zügen so:
Der Kunde eröffnet ein Girokonto bei der Fair-Trade-Bank, dieses ist immer ein Guthabenskonto. Der Sinn der Bank ist, per Statut, das Menschen mit dem Geld auskommen, daß Sie erwirtschaften. Das Konto ist daher immer ein Guthabenskonto.
Zu diesem gibt es zusätzlich ein "Fair-Spar-Konto".
Gemeinsam mit dem Bank Berater legt der Kunde eine Spar-Quote fest.
Bsp.:
Einkommen 1.600,- € netto = (Bundesschnitt)
Spar-Quote,: 100€ per Monat.

D.h.: Der Kunde gibt per Monat 1.500,-- € aus.
Die 100€ gehen sofort auf das Sparkonto.
(Bis jetzt nichts Bahnbrechend neues :))

Nun wird am Monatsende geprüft, wieviel der 1.500,-- € Ausgaben sind an
Fair-Trade-Partner gegangen?
In Abhängigkeit dieser Quote erhält der Kunde den Zins auf sein angespartes Guthaben.

Das Ziel soll sein:
Der Kunde gibt soviel Geld wie möglich bei Fair-Trade-Partner aus, also bei Unternehmen aus seiner Region, die gewisse ethnische, soziale und ökologische Regeln beachten und der Kunde wird animiert, zu sparen.

Woher kommt der Zins, den die Bank an den Kunden auszahlt?
Von den Fair-Trade-Partner.
Diese zahlen wiederum einen Prozentsatz Ihres Umsatzes, der durch Kunden der Fair-Trade-Bank generiert wurde, an die Fair-Trade-Bank.

Ich habe mit unterschiedlichen Kundenbsp und Quoten dieses ganze Szenario durchgespielt und natürlich müssen gewisse Regularien und Unter- bzw. Obergrenzen geschaffen werden, aber innerhalb dieser, wäre das ein funktionierende System.

Kredite?
Ganz ohne Kredite kann es nicht gehen. Zumindestens nicht am Anfang.
Also kann der Kunde einen Kredit aufnehmen.
Aber auch hierfür werden besondere Regularien aufgestellt.
Eine ist zum Bsp. der "Faire-Kredit-Zins", denn dieser bewegt sich auf dem Niveau,
des zuvor vom Kunden erwirtschaften Guthaben-Zinses.
Systematisch funktioniert ein Kredit dann als ein weiteres Konto, auf das
mindestens die Hälfte der bisherigen Sparquote eingehen muss.
Der Kunde kann dann selbst definieren, wie hoch die Zins-Quote für sein Darlehen ist, da
sie sich in Abhängigkeit zu seinem Guthabens-Zins befindet.

Kredite dürfen desweiteren nur für Ausgaben und Anschaffungen bei Fair-Trade-Partner verwendet werden.



So?


Das Konzept kann funktionieren.
Es liegt an uns.

Freitag, 10. Juli 2009

Chapter 11 für alle!

Ist das nicht herrlich?

Mal so nach Herzenslust Schulden machen,
2 Monate unter Chapter 11 weiter machen und dann
mit frischem Kapital Dritter wieder von vorne anfangen.

Schön.

Welchen Wert hat Geld eigentlich noch?
Hat es im Falle von tiefroten Konzernen überhaupt noch den
Wert des Papieres auf dem es gedruckt wurde?

Es scheint das alte Sprichwort zu stimmen:
Bei 1.000,--€ Schulden hast Du ein Problem,
bei 1.000.000,-- € Schulden, hat die Bank ein Problem.

Das ganze kann man mittlerweile auf ganze Länder übertragen.

Dort werden "giftige" Bankpapiere in eigens neu gegründete Banken geschoben um
die eigene Bilanz zu schönen, anderswo kauft der Staat mit Geld, das er defacto nicht hat,
ganze Konzerne.

Nur damit das große Spiel,
das große Ganze - am rollen bleibt.

Und so ändert sich nicht das System, sondern man formt nur an den Auswirkungen
so lange herum, bis die Probleme erst mal wieder in übernächste Generationen verschoben ist.


How nice :)

Sonntag, 5. Juli 2009

Unsinn Abwrackprämie

Generell ist es unter Ökonomen äußerst fragwürdig, ob es mittel- und langfristig Sinn macht, bestimmte Wirtschaftszweige mit staatlichen Subventionen zu stützen. Nichts anderes ist die Abwrack-, Umwelt- oder Stilllegungsprämie von EUR 2.500,- für Personenkraftwagen von Privatpersonen, die mehr als acht Jahre alt sind. Da der Maschinenbau als noch bedeutsamerer Wirtschaftszweig bisher keine Begünstigungen in vergleichbarem Umfang erhält, scheint es nur noch eine Frage der Zeit, bis die „Heidelberger Druck“ als Weltmarktführer eine ’Erneuerungsprämie’ für betagte Druckmaschinen politisch zu ventilieren sucht. Dann entdecken natürlich auch die Hersteller von Lokomotiven, dass der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) gegenüber dem Privatverkehr benachteiligt wird, und ersinnen eine „Lok“-Abwrackprämie und dergleichen Unsinn mehr. Usw, usf.

Nackte Zahlen sprechen für sich: von den in Deutschland – also incl. der ausländischen Automobilanbieter – produzierten Fahrzeugen werden nur etwa 25% in Deutschland verkauft; von den deutschen Automobilmarken werden nur 40% an Privatpersonen verkauft oder geleast. Merke: Nur Privatpersonen kommen in den Genuss der Prämie. Somit hat die „Umwelt“-Prämie nur einen direkten Beschäftigungseffekt für deutsche Automobilhersteller von 10% (25% x 40%).

Negativ und überspitzt ausgedrückt bedeutet dies, dass die Abwrackprämie faktisch eine staatliche – bundesrepublikanische – Subvention für Importfahrzeuge bzw. nicht heimische Fahrzeuge darstellt..

Aber damit sind die langfristigen Folgen des „Abwrack“-Unsinnes noch lange nicht abgehandelt.

Denn wenn ich 2009 neben der staatlich subventionierten Abwrackprämie im Rabattwettlauf noch „Umwelt“- (VW), Durchhalte- (Opel) und Mitleidsprämien (die Premiumhersteller BMW, Mercedes und Audi) erhalte und bis zu 30 Prozent an gesamtem Preisnachlass ergattere, so werde ich mich als Käufer im Jahr 2010 schwerlich nur mit 5% Rabatten auf den Kaufpreis bescheiden. Die Margen – also Gewinnspannen – der Anbieter in Deutschland werden auf Jahre hin erheblich geschmälert. Damit auch die Möglichkeit, die Mitarbeiter an hohen Gewinnen zu beteiligen.

Und: Durch die Vorwegnahme von Ersatzbeschaffungen durch die Abwrackprämie wird der Kater nach dem Rausch der vermeintlich großartigen Verkaufszahlen im Inland gewaltig sein. Eine dicke Birne nach dem Erwachen ist für die Automobilindustrie vorprogrammiert…

Dass allgemein von strukturellen Überkapazitäten von 20-30% in Deutschland ausgegangen wird – auf gut deutsch: der Automobilsektor ist so ausgelegt, dass er 20-30% mehr Fahrzeuge bereitstellen kann als der Markt eigentlich benötigt, stört da fast schon keinen mehr!

Am Ende zahlen die Steuerzahler sich eben ihre Abwrackprämie wieder selbst – direkt und indirekt – zurück! Es lebe die bundesrepublikanische Wirtschaftspolitik!

Wahnsinn Opel Rettung ...

Nach langen Diskussionen hat sich unser Wirtschaftsminister von und zu Guttenberg dazu breit schlagen lassen, Opel mit Staatlichen Garantien bei Seite zu stehen.

Der Grund war klar: Opel sollte die Chance haben, zu überleben. Alleine ging es nicht. Mit GM ging es erst Recht nicht. Aber mit einem Österreich/Kanadischen Zulieferer und dem allgegenwertigen russischen Kapital sollte es gelingen.
Und so wurde Hr. von und zu Guttenberg schwach, hatte er ja doch zuvor gesagt, die Hilfe sollte nur "gesunden" Unternehmen zu Gute kommen. Unternehmen die diese Chance verdient haben.
Uns, denen die das Geld hierfür bereit stellen wurde suggeriert, daß gerade Opel so eine Perle
der Automobilwirtschaft ist.

Mittlerweile wird jedoch deutlich, das Opel nicht derart gesund ist -
wie man es uns glauben machen wollte.
6 Millionen Verlust, täglich, gut - in Zeiten in den Banken und Fondgesellschaften Milliarden in Tausender Bündeln verbrennen, vermutlich nicht so gewichtig - aber doch immer noch ein
Indiz für die wenig tragfähige Konzeption bei Opel.

Was soll erst passieren wenn die Nachfrage nach den günstigen Einsteiger- und Familien-Modell bei Opel nach Beendigung der Abwrackprämie einbricht?

Wieviel Verlust wird Opel dann schreiben?

Wird dann aus der Bürgschaft die endgültige Zahlungsverpflichtung für ALLE Bundesdeutschen Steuerzahler?

Es beeindruckt mich immer wieder, wie Politiker es fertig bringen, das Geld anderer derart zu verbrennen, ohne endlich für sich selbst die japanische Lösung bei Versagen an zu wenden.